Das war „Bewegte Arbeitswege – Wie Unternehmen aktive Mobilität fördern können“

Mobilität
INTERREG
23.07.2026 Innsbruck

Pilot-Arbeitgeber und Interessierte auf der Netzwerkveranstaltung von NetWorkMob bei Bikeleasing in Innsbruck. 

Bildnachweis: Bikeleasing

Das war „Bewegte Arbeitswege – Wie Unternehmen aktive Mobilität fördern können“

Am 23. Juli 2026 lud das Regionalmanagement Innsbruck-Land im Rahmen des INTERREG-Projekts NetWorkMob zur Netzwerkveranstaltung „Bewegte Arbeitswege – Wie Unternehmen aktive Mobilität fördern können“ ein. Zu Besuch waren wir bei BLS Bikeleasing in Innsbruck, die als NetWorkMob-Pilot-Arbeitgeber ihre schönen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben.  Die zahlreichen Nachfragen aus dem Publikum zeigten, wie relevant das Thema aktive Mobilität für Unternehmen ist.

 

Aktive Mobilität als Schnittstelle von betrieblichem Mobilitätsmanagement und Gesundheitsförderung

Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Sandra Wegener vom Institut für Verkehrswesen der BOKU Wien. In ihrem Beitrag zeigte sie auf, wie betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) und betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) eng ineinandergreifen können. Beide Bereiche verfolgen letztlich ein gemeinsames Ziel: Beschäftigte sollen gesünder sein – wovon wiederum auch der Betrieb profitiert.

Dr. Wegener verdeutlichte den positiven Einfluss aktiver Mobilität auf die Gesundheit. Gleichzeitig betonte sie, dass aktive Mobilität nicht pauschal als gesund bewertet werden kann, sondern immer individuell betrachtet werden müsse. Was für die eine Person gesundheitsförderlich ist, kann für eine andere mit Unsicherheiten oder Hürden verbunden sein – etwa dann, wenn Verkehrsbedingungen als gefährlich wahrgenommen werden oder Ängste im Straßenverkehr bestehen.

Zum Abschluss stellte sie das BOKU-Programm „BOKU Mobility4Health“ vor. Dieses verfolgt das Ziel, BMM und BGF stärker miteinander zu verbinden und Synergien durch eine strukturierte Zusammenarbeit der Akteur:innen zu nutzen. Dazu zählen unter anderem:

  • die Schaffung klarer Zuständigkeiten und Austauschformate,

  • die Sensibilisierung für Gesundheitsförderung und aktives Mobilitätsverhalten auf Mitarbeitenden- und Leitungsebene,

  • sowie die Umsetzung konkreter Maßnahmen wie Fahrradsicherheitsworkshops, Radreparaturworkshops, Radlerfrühstücke, Buddy-Modelle, Challenges und Role Models.


Bereits umgesetzt wurden im Rahmen des Programms unter anderem ein Radlerfrühstück beim BOKU-Gesundheitstag, Social-Media-Videos mit Role Models, Fahrradtrainings im Straßenraum, ein Radreparaturworkshop mit mobilem Fahrradcheck, die Erhebung von Duschen und Radverkehrsanlagen sowie ein regelmäßiger Austausch mit der BOKU-Mobilitätsmanagerin und dem Gesundheitsausschuss.

 

Good Practice aus der Unternehmenspraxis: Berger Logistik

Im Anschluss berichtete Anna-Sophia Bucher von Berger Logistik aus der Praxis eines Unternehmens, das seine betriebliche Mobilität in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat. Mit der Verlegung des Firmensitzes vom Industriegebiet in Radfeld an den Hauptbahnhof Wörgl wurde ein wichtiger strategischer Schritt gesetzt. Begleitet von zahlreichen Maßnahmen im betrieblichen Mobilitätsmanagement konnte Berger Logistik erreichen, dass heute nur noch ein kleiner Teil der Belegschaft mit dem Auto zur Arbeit kommt.

Der Weg dorthin war jedoch nicht frei von Herausforderungen. Hohe Investitionskosten – etwa für Infrastruktur wie Radabstellplätze und weitere Mobilitätsangebote – waren ebenso zu bewältigen wie anfängliche Skepsis unter den Mitarbeitenden, insbesondere als Parkplätze am neuen Standort kostenpflichtig wurden. Erfolgreich war der Veränderungsprozess vor allem deshalb, weil die Mitarbeitenden frühzeitig eingebunden wurden, transparent kommuniziert wurde und attraktive Alternativen geschaffen wurden – etwa durch ein Klimaticket-Angebot.

Der neue Standort direkt am Hauptbahnhof Wörgl bietet im Vergleich zum früheren Standort (im verkehrlich schwer erreichbaren Gewerbegebiet) deutlich bessere Voraussetzungen für nachhaltige Mobilität. In Spitzenzeiten gelang es dem Unternehmen, den Anteil jener Mitarbeitenden, die hauptsächlich mit dem Auto zur Arbeit kommen, auf nur noch rund 10 Prozent zu senken.

Als zentrale Erfolgsfaktoren gab Anna-Sophia Bucher den teilnehmenden Unternehmen folgende Empfehlungen mit:

  1. Standort ist Mobilitätspolitik

  2. Kommunikation ist absolut entscheidend

  3. Mitarbeitende früh einbinden

  4. Attraktive Alternativen schaffen

  5. Mutige Entscheidungen treffen

  6. Lead by Example


 

Einblick in die Praxis bei Bikeleasing

Ergänzt wurden die Beiträge durch Inputs von Helmut Schleich (CEO) sowie Jessica Baldreich und André Hänler von Bikeleasing-Service Österreich. Sie gaben einen kompakten Überblick über das Dienstrad-Leasing als Instrument zur Förderung aktiver Mobilität – von den grundlegenden Rahmenbedingungen über den typischen Umsetzungsprozess bis hin zur Rolle von Bikeleasing als Schnittstelle zwischen Arbeitgeber, Mitarbeitenden, Leasingbank, Versicherung und Fachhandel.

Darüber hinaus stellten sie Ergebnisse der Studie Welsch & Rudolph (2026, T3 Transportation Think Tank) vor. Die Studie zeigt, dass Dienstrad-Leasing die Einstiegshürde senken und insbesondere die Chance auf regelmäßigeres Radpendeln erhöhen kann. Gleichzeitig wurde betont, dass die Wirkung stark von den Rahmenbedingungen im Unternehmen abhängt und Dienstrad-Leasing am besten als Teil eines Gesamtpakets aus Infrastruktur, Kommunikation und Anreizen funktioniert.

Wir bedanken uns beim Bikeleasing-Team nicht nur für den fachlichen Input, sondern auch dafür, dass sie die Veranstaltung in den schönen Räumlichkeiten möglich gemacht und die Teilnehmenden zudem herzlich verköstigt haben!

Weitere Informationen und unsere Ansprechpersonen zum Projekt NetWorkMob: https://www.regio-il.at/networkmob/