Klimaresiliente Regenwasserbewirtschaftung: Modelllösungen für Gemeinden in Ibk-Land

Ziel des Projekts ist die Entwicklung praxisnaher und übertragbarer Modelllösungen für eine klimaresiliente Regenwasser- bewirtschaftung in Gemeinden der Region Innsbruck-Land. Die Universität Innsbruck erarbeitet dazu wissenschaftlich fundierte
Entscheidungsgrundlagen, die Gemeinden bei der Bewertung, Auswahl und Priorisierung geeigneter Maßnahmen unterstützen. Am Beispiel der Gemeinde Kematen wird eine Methodik entwickelt und erprobt, die sowohl die Nutzung von Regenwasser als lokale
Ressource als auch die Entlastung der bestehenden Entwässerungsinfrastruktur berücksichtigt.

Dazu werden zukünftige Klimaszenarien, Veränderungen von Starkregen und Trockenperioden sowie deren Auswirkungen auf Regenwasserverfügbarkeit, Nutzungsbedarf und hydraulische Belastungen berücksichtigt. Für ausgewählte Gebäude, Grundstücke und öffentliche Flächen werden Regenwasserangebot und Nutzungsbedarf räumlich und zeitlich gegenübergestellt. Für unterschiedliche Speichergrößen und Betriebsweisen werden unter anderem nutzbare Regenwassermengen, mögliche Trinkwassersubstitution, Deckungsgrade sowie Häufigkeiten von Speicherleerständen und Überläufen ermittelt.

Parallel dazu wird auf Basis des bestehenden hydrodynamischen Kanalnetzmodells von Kematen untersucht, in welchem Ausmaß unterschiedliche Maßnahmen zur Entlastung der Entwässerungsinfrastruktur beitragen können. Betrachtet werden unter anderem
Retentionsspeicher, kombinierte Nutzungs- und Retentionsspeicher, Gründächer, Retentions- und Versickerungsflächen sowie smarte Steuerungen. Bewertet werden insbesondere Auswirkungen auf Abflussvolumen und -spitzen, Kanalnetzauslastung, Rückstau, Überstau und Überflutungsrisiken. Dabei wird auch der Zielkonflikt zwischen möglichst hoher Regenwassernutzung und ausreichend freiem Speichervolumen für den Starkregenschutz berücksichtigt.

Ein weiteres Ziel ist die Bewertung der Nutzungseignung unterschiedlicher Regenwasserherkünfte. Dafür werden relevante Wasserqualitätsparameter betrachtet und eine praxisnahe Nutzungs- und Behandlungsmatrix entwickelt. Ein möglicher Pilotansatz zur Sammlung, Behandlung und Nutzung von Straßenabflüssen wird vertieft untersucht. Ergänzend werden kommunale Förder-, Gebühren- und Anreizmodelle sowie die wirtschaftlichen Wirkungen der untersuchten Maßnahmen bewertet. Berücksichtigt
werden dabei sowohl mögliche Beiträge zur Reduktion des Trinkwasserbedarfs als auch hydraulische Reserven, vermiedene oder geringer dimensionierte Erweiterungen sowie zeitlich verschobene Investitionen in die Entwässerungsinfrastruktur.

Die Ergebnisse sollen nicht nur für die Pilotgemeinde nutzbar sein, sondern als methodische Grundlage für weitere Gemeinden in Innsbruck-Land dienen. Geplant sind eine reproduzierbare Bewertungsmethodik, ein GIS-basiertes Screening für die Übertragungsregion, Kennwerte zu Nutzung und Retention, konkrete Maßnahmenvarianten für Kematen, Empfehlungen für kommunale Steuerungsinstrumente sowie ein praxisorientierter Leitfaden für Gemeinden.

Projektträger: Universität Innsbruck

Laufzeit: 01.10.2026 – 31.12.2028

Projektvolumen gesamt: € 199.975,00 € mit 70% Förderung (€ 139.982,50)